Eckdaten zur Geschichte Wädenswils
um 3000 vor Christus: Archäologische
Funde aus der jüngeren Steinzeit belegen eine frühe
Besiedlung der Halbinsel Au. Weitere Funde aus der Bronzezeit
sowie aus der Römerzeit (um 100 nach Christus) zeigen,
dass das Gebiet des heutigen Wädenswil seit über
5000 Jahren bewohnt ist.
1130: Ein Stiftungsbrief des Klosters
Fahr, dessen Echtheit nicht ganz sicher ist, erwähnt
die Freiherren von Wädenswil («Wadinswilere»)
zum ersten Mal urkundlich. Ihren Wohnsitz, die Burg
Alt-Wädenswil, errichten die Freiherren um 1200.
1287: Der letzte Freiherr Rudolf III
verkauft mangels Nachkommen die Herrschaft Wädenswil
(heutige Gemeinden Wädenswil, Richterswil, Schönenberg,
Hütten und Uetikon) an das Johanniterhaus Bubikon.
Wädenswil wird eine Johanniterkomturei. Die Burg
wird im 14. und 15. Jahrhundert ausgebaut.
1467/68: Die Stadt Zürich möchte
mit ausserordentlichen Steuern die Kosten des Ankaufs
von Winterthur decken. Wädenswil verweigert die
Ablieferung. Zürich interveniert militärisch
und die Johanniterkomturei unterliegt.
1529: Wädenswil tritt zum reformierten
Glauben über. Bis Ende des 18. Jahrhunderts bleiben
katholische Gottesdienste verboten.
1549: Die Johanniter verkaufen die
Herrschaft Wädenswil mit allen Rechten an Zürich.
Wädenswil wird eine Landvogtei. Für den Landvogt
wird 1550 bis 1555 das Schloss Wädenswil erbaut.
Die Burg muss nach einem Tagsatzungsbeschluss 1557 geschleift
werden, weil sich Schwyz vom vergrösserten Stadtstaat
Zürich bedroht fühlt.
1646: Wädenswil verweigert der
Zürcher Obrigkeit erneut die Steuern. Im darauf
folgenden «Wädenswiler Handel» besetzen
Zürcher Truppen die Landvogtei.
1764 bis 1767: Johann Ulrich Grubenmann,
Brückenbauer aus dem appenzellischen Teufen, baut
die reformierte Kirche. Das Rokoko-Gebäude gilt
heute als eines seiner Meisterwerke.
1790: Die Zürcher Landbevölkerung
beginnt sich gegen die Herrschaft der Stadt zu wehren.
In Wädenswil informiert man sich (1790 wird die
Lesegesellschaft gegründet) und engagiert man sich
im Stäfner Handel 1794/95 politisch, unterliegt
aber der Stadt.
1798: Die Herrschaft Zürichs
bricht zusammen. Der letzte Landvogt, David von Orelli,
muss Wädenswil verlassen. In der Helvetik ist die
Munizipalität Wädenswil Teil des Distrikts
Horgen.
1804: Nach dem Ende der Helvetik will
die Landbevölkerung ihre neu erworbenen Rechte
behalten. Gegen das aristokratische Zürich kommt
es zum bewaffneten Aufstand, dem Bockenkrieg. Das Schloss
Wädenswil wird niedergebrannt. Eidgenössische
Truppen schlagen den Aufstand nieder.
1811: Die textile Heimarbeit bringt
einen ersten industriellen Aufschwung. Zahlreiche
Fabrikbauten entstehen: 1811 die Baumwollspinnerei,
Diezinger im Freihof (heutiges Stadthaus), 1822 die
Tuchfabrik Wädenswil AG, 1832 die Tuchfabrik Pfenninger,
1841 die Seidenweberei Gessner AG.
1816: Das Schloss wird für die
Verwaltung des Oberamts Wädenswil (heutiger Bezirk
Horgen) wieder aufgebaut. Als 1830 Horgen Bezirkshauptort
wird, wird es verkauft. 1890 zieht die Eidgenössische
Forschungsanstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau
ins Schloss ein.
1816: Nach einer Hungersnot entstehen
erste soziale Einrichtungen und neue Bauten: 1816 die
Sparcassa, 1818 das Armenhaus, 1819 ein Schulhaus, 1821
das Gemeindehaus (heute Haus zur Sonne).
1829 bis 1842: Mit dem Bau der Seestrasse,
der Schönenberg- und der Zugerstrasse entstehen
neue Verkehrsverbindungen. Zuvor wurde der grösste
Teil des Verkehrs mit Schiffen auf dem Zürichsee
abgewickelt.
1836: Die Sekundarschulgemeinde Wädenswil-Schönenberg
wird gegründet. Hütten kommt erst 1963 zur
Oberstufenschulgemeinde.
1841: Als erste Zeitung ausserhalb
der Städte Zürich und Winterthur erscheint
in Wädenswil der «Allgemeine Anzeiger vom
Zürichsee». 1997 geht er in der «Zürichsee-Zeitung»
auf.
1872: Eine private Wasserversorgung
nimmt den Betrieb auf. 1900 geht sie in Gemeindebesitz
über.
1873: Das Gaswerk Wädenswil wird
gegründet. 1926 wird es aufgegeben und seither
Gas vom Kanton bezogen. Eine Strassenbeleuchtung mit
Gas wird eingeführt. 1895 wird sie auf Elektrizität
umgestellt, nachdem Wädenswiler Industrielle ihr
eigenes Elektrizitätswerk bauten. Dieses geht 1908
in den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich
auf.
1875: Wädenswil wird mit der
Linie Zürich–Chur ans Eisenbahnnetz angeschlossen.
1877 wird die Bahnverbindung nach Einsiedeln fertiggestellt.
1882: Das Telefonnetz nimmt seinen
Betrieb auf.
1886: Das Spital Wädenswil wird
eingeweiht. Parallel dazu entstehen auch eine Kinderkrippe
und ein erstes Altersheim. 1935 wird das Spital ausgebaut.
2005 stellt es seinen Betrieb ein, nachdem es im Regionalspital
Zimmerberg in Horgen aufgegangen ist.
1896/97: Die katholische Kirche wird
gebaut. Seit 1881 wurden regelmässig katholische
Gottesdienste in Wädenswil gefeiert. Die wenigen
Katholiken waren zuvor in Horgen kirchgenössig.
1900 bis 1910: Wädenswil erlebt
einen starken Aufschwung. Aus dem bäuerlichen Dorf
wird eine Industriegemeinde. Die Fabrikarbeit hat in
der Textilindustrie die Heimarbeit abgelöst. Die
Bevölkerung wächst von 7500 auf 9000 Personen.
Die Arbeiterbewegung nimmt ihren Anfang. Ganze Quartiere
werden neu gebaut, mehrere Schulhäuser entstehen,
ein neuer Friedhof wird angelegt.
1911: Wädenswiler Industrielle
gründen das Au-Konsortium. Sie kaufen den mittleren
Teil des Au-Hügels und verhindern so, dass die
idyllische Halbinsel überbaut wird.
1925: Die selbständigen Schulgemeinden
Langrüti, Stocken und Ort werden mit der Primarschulgemeinde
Wädenswil vereinigt. 1944 wird die Primarschulgemeinde
mit der Politischen Gemeinde zusammengelegt. Die Oberstufe
bleibt eigenständig.
1931 bis 1934: Das Bahnhofquartier
wird umgestaltet. Ein neuer Bahnhof wird erstellt, zahlreiche
Häuser werden für einen stattlichen Bahnhofplatz
abgebrochen.
1938: Die Erben der Industriellenfamilie
Gessner schenken der Gemeinde die Villa Rosenmatt. Darin
wird das reformierte Kirchgemeindehaus eingerichtet.
Der Park wird öffentlich zugänglich.
1942: Private gründen die Fachschule
für Obstverwertung. Daraus entwickelt sich die
Hochschule Wädenswil, die sich seit 1954 im Grüental
befindet.
1948: Eines der schwersten Eisenbahnunglücke
der Schweiz kostet vor der Einfahrt in den Bahnhof Wädenswil
22 Menschen das Leben. Ein Ski-Zug aus Sattel
(statt Einsiedeln) kracht ungebremst
in das Gebäude der Obst- und Weinbaugenossenschaft.
1953: Der Ortsbus nimmt seinen Betrieb
auf. Bis 1990 wird das Netz auf sechs Linien erweitert.
1964: Die Stimmberechtigten genehmigen
an der Urne Wädenswils eine neue Bauordnung. Wädenswil
erlebt einen zweiten starken Aufschwung. Die Bevölkerung
wächst bis 1980 von 12000 auf 18500 Personen. Insbesondere
im Ortsteil Au entstehen zahlreiche neue Wohnsiedlungen,
eine Kläranlage wird gebaut und Wädenswil
erhält 1966 einen Autobahnanschluss.
1967: Zum 200-jährigen Jubiläum
der reformierten Kirche findet ein Dorffest statt. 20
Jahre später wird das 700-jährige Jubiläum
des Verkaufs der Herrschaft Wädenswil an die Johanniter
ebenfalls mit einem zehntägigen Fest gefeiert.
1974: Wädenswil wird zur Stadt.
Ein Parlament löst die Gemeindeversammlung ab.
1976: Die Tuchfabrik Pfenninger stellt
den Betrieb ein. 1978 folgt die Tuchfabrik Wädenswil
AG. Damit beginnt der Niedergang des Industriestandorts
Wädenswil, der sich zum Bildungsstandort wandelt.
1991 stellt die 1826 gegründete Brauerei Wädenswil
die Produktion ein. Die Gebäude werden 2003 abgerissen.
Andere Industrieareale werden umgenutzt.
1982: Nach Jugendunruhen wird die
alte Schönegg abgerissen. Zehn Jahre diente sie
einer alternativen Wohngemeinschaft. Einige der ehemaligen
Bewohner gründen darauf die Stiftung Wädenswiler
Kulturstätten. Daraus geht 1985 das Theater Ticino
hervor.
1993: Der Gemeinderat genehmigt eine
neue Gemeindeordnung, die ausschliesslich weibliche
Formulierungen enthält. Dies bringt Wädenswil
international in die Schlagzeilen. Die Stimmberechtigten
lehnen die Gemeindeordnung an der Urne ab.
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